Freitag, 18. Juni 2010

"Implosion der Krone droht": Wunschdenken allein wird Krone nicht schwächen...

Medienexperten überschlagen sich in Untergangsszenarien. Selbst ernannte "Qualitätszeitungen" wittern Morgenluft - aber Wunschdenken allein wird die Krone nicht schwächen. Der Volksversteher Dichand hat natürlich gewusst, dass seine Krone früher oder später ohne ihn auskommen muss, und er hatte natürlich längst Vorsorge getroffen.

Wien (pte/17.06.2010/15:28) - Hans Dichand, erfolgreicher Blattmacher und Krone-Herausgeber, ist heute, Donnerstag, im Alter von 89 Jahren verstorben. Mit seinem Ableben wirft sich unweigerlich die Frage nach der Zukunft der marktbeherrschenden Boulevardzeitung auf. Dass die Krone ihre allumfassende Vormachtstellung in der Medienbranche in gleicher Weise beibehält, wird von Medienexperten bezweifelt. "Wenn eine Persönlichkeit derart dominant ein Medium prägt, wird es schwierig für das Unternehmen, wenn diese Person plötzlich verschwindet", sagt Medienwissenschaftler Peter Vitouch vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien im pressetext-Interview.

Meist werde bei einer solchen Dominanz im Vorfeld kein Nachfolger aufgebaut, weil sich alles auf die eine Leitfigur ausrichte. "Nun wirft sich aus ökonomischer Sicht natürlich die Frage auf, wie die Nachfolge geregelt wird. Aus journalistischer Sicht bleibt abzuwarten, welche Inhalte in Zukunft transportiert werden", sagt Vitouch.

Eines scheint für den Medienexperten sicher: In der Weise, wie die Krone bisher das Medien- sowie das politische Geschehen dominiert hat, wird es nicht weitergehen. "Es ist in der Branche sogar von einer 'Implosion der Krone' die Rede. Nach dem Wegfallen dieser Leitfigur ist eine vollkommene Desorientierung möglich, weil bis zuletzt alles auf Dichand zugespitzt war", erklärt Vitouch.

Auch Falter-Chefredakteur Armin Thurnher glaubt nicht daran, dass die Krone ihre Marktdominanz in dieser Form beibehalten kann. "Der Krone wird die journalistische Nase Dichands fehlen. Vermutlich werden sich weder Erben noch Partner so leicht auf einen Kurs einigen", sagt Thurnher gegenüber pressetext. Infolgedessen und infolge der Abhängigkeit des Produkts von der Person Dichands werde die der Vormachtstellung langfristig eher nicht bestehen bleiben, glaubt Thurnher.

Politisches Vakuum bricht auf Schach gehalten. "Hier wird nun ein Vordringen in ein politisches Vakuum möglich. Aus politischer Sicht könnte man von einer Art Befreiung sprechen", meint der Kommunikationswissenschaftler. Denn nun könnten bestimmte Dinge gesagt werden, die zuvor nicht gesagt werden konnten oder zumindest gesagt werden wollten. "Es wird äußerst spannend sein, was sich hier in Zukunft auf politischer Ebene entwickelt", so Vitouch gegenüber pressetext.

Twittermeldungen überschlagen sich

Die Nachricht von Dichands Tod verbreitete sich im Web - getrieben von Twitter - wie ein Lauffeuer. Noch bevor es eine offizielle Bestätigung für das Ableben des Ausnahme-Medienmachers gab, überschlugen sich die Meldungen auf dem Microblog. Die Website der Krone selbst dürfte unter dem Leser-Ansturm zusammengebrochen sein. Nach Bestätigung des Todesfalls konnte die Seite nicht mehr aufgerufen werden.

Unvergleichliche Marktdominanz

Der umstrittene Medienmacher Dichand hat die österreichische Medienlandschaft in den vergangenen 50 Jahren auf einzigartige Weise geprägt. Die Krone, an der auch die deutsche WAZ-Gruppe beteiligt ist, erzielte eine Marktdominanz in der österreichischen Zeitungslandschaft wie es sie in kaum einem anderen demokratischen Land gibt. Diese Vormachtstellung hatte nicht zuletzt aufgrund Dichands massivem politischen Einfluss auch laufend für Kritik gesorgt.

In der Vergangenheit hatte es zwischen dem Krone-Verlag Mediaprint, zu dem auch die Tageszeitung Kurier gehört, und Kooperationspartner WAZ immer wieder teils heftige Auseinandersetzungen gegeben. Wenngleich sich die Situation in den vergangenen Jahren ein wenig entspannte, steht nach wie vor eine Abspaltung von der WAZ im Raum. Mithilfe von Kurier-Mehrheitseigentümer Raiffeisen könnte sich die Krone von dem deutschen Partner loskaufen.

Dichands Gesundheitszustand hatte sich am Vormittag dramatisch verschlechtert, nachdem sich der Krone-Herausgeber zuvor bereits eine Woche in ärztlicher Behandlung befunden hatte. Er hätte am 29. Jänner 2011 seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Pelinka desorientiert

NEWS-Chefredakteur Pelinka wirkt leicht desorientiert (Deutsche sind Piefke), wenn er im "Standpunkt" (HEUTE v. 17.6.) seine Sympathie für die Deutschen eingesteht. Das muss gewürdigt werden:

Sehr geehrter Herr Pelinka,

darf ich Sie nur drauf hinweisen, dass man unter "Piefke" (abwertend) die Norddeutschen versteht, und die wollen Sie doch nicht mit den Bayern in einen Topf werfen. Wir sollten es überhaupt vermeiden, die Menschen auseinander zu dividieren. Die Wiener kommen zum Beispiel in "Restösterreich" nicht gut weg... Schön jedenfalls, dass Ihnen die Deutschen jetzt wegen Songcontest und WM sympathisch sind, obwohl sie natürlich - als unsere "Lieblingsnachbarn" (HEUTE) - immer schon besonders sympathisch waren...