Muss Masse immer Murdoch sein? Wohl kaum. Weitgehend erfolglose Zeitungen wie der Standard versuchen es mit dem Umkehrschluss. Sie sagen einfach: Je höher die Reichweite, desto niedriger der Intelligenz-Quotient der Leser. Trotzig: Wir sind zwar ein Miniblatt, aber dafür maxi-g'scheit...
Massenpresse
(Kommentar v. 20. Juli 2011)
Leser wollen das, und weil es so viele sind, stehen wir damit de facto über dem Gesetz
Das Wesen der skrupellosen Massenpresse liegt darin, dass sie durch ihren Erfolg bei den Massen ihre Skrupellosigkeit rechtfertigen kann.
Was wollt ihr denn? So rufen uns die Zyniker der Murdoch-Blätter, der Bild-Zeitung, der Krone entgegen. Unsere Leser wollen das, und weil es so viele sind, stehen wir damit de facto über dem Gesetz bzw. machen wir uns unsere eigenen Gesetze. Rufmord, Verhetzung, tendenziöse Kampagnen, Wahrheitsverdrehung, politische Erpressung, glatte Falschbehauptungen, kriminelle Methoden der Informationsbeschaffung: Dazu sind wir legitimiert, weil uns Millionen lesen.
Wäre es wirklich so, müsste man komplett verzweifeln. Ganz so ist es aber nicht. Die Konsumenten von Massenmedien reflektieren sehr wenig über die Art, wie dieser Gossenjournalismus betrieben wird. Sie wollen es nicht so genau wissen. Aber sie konsumieren das Zeug trotzdem. Das ist wie eine schlechte persönliche Angewohnheit wie Nasenbohren: Man weiß, es ist nicht okay, aber man tut es trotzdem - weil es irgendwie befriedigend ist.
Nicht aus der Verantwortung entlassen kann man hingegen die Politik. Sie füttert die Krawallpresse mit Zuwendung und (in Österreich) mit finanziellen Zuwendungen. Aber, wie sich jetzt beim britischen Premierminister David Cameron zeigt, besteht eine immense Gefahr: Wer sich zu tief in die Gossenpresse begibt, kommt darin um. (Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 21.7.2011)
Freitag, 22. Juli 2011
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