(Quelle: SN-Text) Die Wartelisten der Kinderseelenhilfe im Salzburger Lungau, Pinzgau und Pongau sind lang. Die Einrichtung gehört zur gemeinnützigen Gesellschaft „Pro Mente Salzburg“, die sich um psychisch kranke Menschen kümmert.
„Die drei Ambulanzen der Kinderseelenhilfe müssen dringend ausgebaut werden“, sagt Leonhard Thun-Hohenstein, Initiator und ärztlicher Leiter der Kinderseelenhilfe und Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Salzburg. „Sie können nur ein Schmalspurprogramm fahren, weil das Geld fehlt.“ Die Kinderseelenhilfe füllt einen weißen Fleck, denn in den südlichen Bezirken gibt es im niedergelassenen Bereich so gut wie keine auf Kinder und Jugendliche spezialisierten Fachkräfte.
Längst überfällig sei in Salzburg und im Süden des Bundeslands die Einrichtung einer psychiatrischen Zentralambulanz für Kinder und Jugendliche, sagt Thun-Hohenstein.
Die zwei Ärztinnen und Psychotherapeutinnen der Kinderseelenhilfe im Lungau reisen ein Mal pro Woche von Salzburg an. 30 Kinder und Jugendliche wurden dort im Vorjahr betreut, zum Teil über mehrere Monate. Mehr als 100 waren es im Pinzgau, mehr als 40 im Pongau. Kostenlos angeboten werden unter anderem fachärztliche Versorgung, Psychotherapie und Ergotherapie.
Auch im Lungau nehme die Zahl der besonders schweren Fälle spürbar zu, erklärt Margret Korn, die Geschäftsführerin von „Pro Mente“. Darunter seien Kinder mit Entwicklungs- oder Verhaltensstörungen, Depressionen und Ängsten. Auch die Zahl der hyperaktiven Kinder und von Kindern mit Essstörungen steige. „Würden diese Kinder in Salzburg oder im Flachgau leben, hätten viele von ihnen schon einen Aufenthalt im Spital hinter sich“, sagt Korn. Viele Kinder bräuchten Psychotherapie.
Darauf müssen sie derzeit ein bis zwei Monate warten. Die meisten Familien sind aber auf das Angebot der Kinderseelenhilfe angewiesen, weil es gratis ist. Die Kinderseelenhilfe arbeitet derzeit mit einem Jahresbudget von 200.000 Euro. Mehr als 60 Prozent davon kommen von Spendern und Sponsoren. Im Lungau haben nun die Frauen vom Soroptimist Club die Unterstützung der Kinderseelenhilfe zum Langzeitprojekt erklärt.
Abhilfe soll im Krankenhaus in Schwarzach geschaffen werden. Derzeit stehen dort in der Kinderklinik sechs Betten für Kinder mit psychosomatischen Erkrankungen zur Verfügung. Angeboten werden außerdem Musik- und Ergotherapie. Im Zuge des Neubaus der Kinderklinik soll das Angbot aufgestockt und um mehrere Betten für Kinder mit psychischen Erkrankungen erweitert werden. Die Gespräche über die Anzahl der Betten und über die Abstimmung mit der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Salzburg sind im Gange. Die Schaffung dieser Betten sei nötig, weil die Zahl der psychischen Erkrankungen weiter zunehmen werde, sagt der Leiter der Kinderklinik in Schwarzach, Primar Josef Riedler.
Sonntag, 14. März 2010
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