Das Wahljahr 2010 deckt die immensen Probleme auf vielen Gebieten zu. Kindergärten, Schulen und Universitäten können ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen, der Rechtsstaat ist in Gefahr, weil es an Geld für die Exekutive und die nachfolgenden Instanzen fehlt, die Kriminalstatistik ist insgesamt besorgniserregend, die Ausländerintegration ist unzureichend, der Pflegebereich ist ein einziges Chaos, die Verwaltungsreform ist seit Jahrzehnten überfällig, das Image der Volksvertreter ist miserabel, das Volk fühlt sich nicht mehr vertreten, die Politikverdrossenheit war noch so groß wie heutzutage... Probleme über Probleme. Hier nur ein konkretes Beispiel:
Der schlechte Gesundheitszustand der heute 15-Jährigen kommt doppelt teuer. Die Krankenzahlen steigen, die Kosten explodieren. Der schlechte Gesundheitszustand der heimischen Jugendlichen hat dramatische Konsequenzen für das Gesundheitssystem. Der Befund war ernüchternd: Sie trinken zu viel, sie rauchen zu viel; und von gesunder Ernährung oder Sport halten Österreichs Teenager viel weniger als Jugendliche in vergleichbaren Ländern.
Als die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im vergangenen Jahr eine Studie zur körperlichen Verfassung der heute 15-Jährigen publizierte, sorgte sie für große Aufmerksamkeit - Österreich schnitt bei dem Ländervergleich schlecht ab .
Weitgehend unbeachtet ist bisher der Aspekt geblieben, was der schlechte Gesundheitszustand der heutigen Teenager perspektivisch für das heimische Gesundheitssystem bedeutet.
Der Gesundheitsökonom Leo Chini (Wirtschaftsuniversität Wien) ist dieser Frage nachgegangen. Er hat beunruhigende Antworten gefunden: Bedingt durch den schlechten Allgemeinzustand der 15-Jährigen werden "Zivilisationskrankheiten" wie Diabetes, Bluthochdruck oder chronische Rückenschmerzen noch stärker zunehmen und entsprechende Kosten bei der Behandlung verursachen.
Bisher, erklärt Chini, sei man davon ausgegangen, dass der Anstieg der Lebenserwartung und die damit verbundenen medizinischen Behandlungskosten von 2007 bis 2030 ein jährliches Plus von 7,3 Milliarden Euro verursachen.
"Durch den schlechten Gesundheitszustand der Jugendlichen werden die Kosten aber stärker anwachsen als vermutet", erklärt Chini. Er beziffert das zusätzliche Volumen mit 1,6 Milliarden Euro pro Jahr.
Laut Chini droht der Generation der heute 20-Jährigen damit eine "doppelte Mühle": "Zum einen müssen sie die Herausforderung bewältigen, dass ab 2030 jeder dritte Österreicher älter als 60 Jahre alt ist, und dass die Lebenserwartung bei diesen Menschen dann deutlich höher ist."
Andererseits seien die jungen Menschen aufgrund ihrer ungesunden Lebensweise selbst in einem schlechteren Gesundheitszustand als die Eltern-Generation - entsprechend höher seien die Ausgaben, die die Generation 40 plus für die eigene Gesundheit leisten muss.
Mehr Prävention
Wie könnte man gegensteuern? Sowohl der Ökonom als auch die österreichische
Ärztekammer sind überzeugt davon, dass Prävention der Schlüssel zum Erfolg ist (siehe Hintergrund).
Geht es nach Chini, dann sollte der Bund den Krankenkassen einen "Präventionsauftrag" erteilen und die Finanzierung sicherstellen: "Die Gebietskrankenkassen konzentrieren sich de facto ausschließlich auf die Behandlung von Krankheiten. Die Vorsorge bei einem 40-Jährigen ist ihnen im Schnitt nur zehn Euro im Jahr wert. Das ist zu wenig."
Derzeit geben die Krankenkassen für einen Versicherten im Alter von 55 Jahren rund 1000 Euro pro Jahr aus, mit 85 Jahren ist es das Doppelte.
» Hintergrund: Dorner: "Jeden Tag soll eine Turnstunde stattfinden"
Das könnte man verbessern, indem man mehr in die Präventionsarbeit investiert. Bis ins Alter von etwa 60 Jahren wäre das für die Kassen zwar geringfügig teurer. "Danach und vor allem insgesamt betrachtet", sagt Chini, "wären die Kosten aber deutlich geringer." Quelle: Kurier
Donnerstag, 25. März 2010
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