Samstag, 4. Juni 2011

Rassistische Reime bilden Klischees: Einfache Gegenstrategie

Wäre es nicht einfacher, "belastete" Termini von ihrem negativen Image zu befreien als sie aus dem Wortschatz zu eliminieren? Wenn es die Gesellschaft schaffen würde, Worte wie "Neger", "Eskimo" oder auch nur "Piefke" neutral oder positiv einzufärben, wäre das sicherlich keine schlechte Strategie.

"Afrika ist in unseren Köpfen ein Zerrbild. Das Bewusstsein ist geprägt von Klischees und Stereotypen, die vor allem negativ besetzt sind", sagt Wulf Schmidt-Wulffen, Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Hannover. Der Sozialwissenschaftler hat analysiert, was es etwa mit den "Zehn kleinen Negerlein" auf sich hat.
Auch wenn die rassistischen Inhalte der "Negerlein" enttarnt sind, der Kinderreim hält sich über 100 Jahre hartnäckig. Zudem ist das Kinderbuch in 14 Ländern verbreitet - von Island bis China. Über einen besonderen Reiz müssten die "Negerlein" wohl verfügen, meint Schmidt-Wulffen im pressetext-Gespräch.

Viele Läden tragen den Namen "Mohr"

Der Kinderreim ist nur ein Beispiel: Ungeniert tragen noch Hunderte von Apotheken, Gaststätten und Hotels den Namen "Mohr" in ihrer Bezeichnung. Seine Befunde hat Schmidt-Wulffen in seinem Buch "Zehn kleinen Negerlein" - Zur Geschichte der Rassendiskriminierung publiziert. Der Professor räumt in seinem Werk mit wissenschaftlichen Mythen auf und hält Anregungen und Material für Erzieher und Lehrer bereit.

Der Wissenschaftler deckt einen neuen Kolonialismus auf und entlarvt alltäglich Rassendiskriminierung. Außerdem zeigt Schmidt-Wulffen auf, wie Stereotype und Vorurteile entstehen. Die Stereotypisierugen zeigt er anhand des besagten Kinderbuches, das sich in unseren Köpfen "verewigt" hat.

(pta)

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