Montag, 16. November 2015

...und Pegida hat doch recht. Linke versuchen ideologisch zu retten, was nicht mehr zu retten ist.


Österreichs Anti-Terror-Chef, Peter Gridling, hat im Krone-Interview v. 15.11.2015 noch gemeint, dass sich wohl kein Terrorist die Strapazen einer Flucht antun würde. Tut er natürlich auch nicht. Er fährt bequem mit Taxi oder Mietwagen von Grenze zu Grenze, wo er dann jeweils zum Flüchtling mutiert...

Das nächste große Schlachtfeld ist Europa

Vor einem Jahr rief der IS sein Kalifat aus. Jetzt bereiten die
islamistischen Terroristen eine neue Strategie vor. Systematisch
schleusen sie Kämpfer über Flüchtlingsrouten in die EU.

Korrespondent






Foto: Infografik Die Welt


Lorenz Berger ist immer noch fahl im Gesicht. Die Woche in Gefangenschaft der Terrormiliz "Islamischer Staat" hat Spuren hinterlassen. Sein Rücken schmerzt von den Gewehr- und Stockschlägen, die er für das Kruzifix an seiner Halskette bezog. Das verseuchte Wasser, das er trinken musste, verursacht ihm immer noch Magenkrämpfe. Berger heißt in Wirklichkeit anders, und mit Extrembedingungen kann er umgehen. Er war mal Soldat und ist schon länger im Nahen Osten unterwegs, für wechselnde europäische Geheimdienste, als freischaffender Agent sozusagen.


Doch in jenen Tagen in Nordsyrien glaubte er nicht, dass er noch einmal lebend davonkommen würde. Dann fielen die Bomben der Luftwaffe von Diktator Assad. Unter Bergers Peinigern brach Panik aus. Als einer von ihnen tot in der Ecke lag, griff Berger sich dessen Gewehr, stürmte los und schoss sich den Weg frei. "Ich sehe noch die Überraschung in den Augen der Männer", erinnert er sich. "Aber als sie mich bemerkten, war es schon zu spät für sie."


Zehn Tage ist das jetzt her. Berger sitzt in einem Flughafenhotel bei Istanbul und wartet auf jemandem vom IS, mit dem er sich etwas besser versteht. Er will wissen, wer ihn an die Männer in Syrien verkauft hat. Um die Mittagszeit betritt sein Kontaktmann Raduan die Lobby. Berger hat ihn lange nicht gesehen. Jetzt erfährt er auch, warum: Raduan war in Tansania, aber die Behörden haben ihn gerade ausgewiesen.

Der Islamismus setzt sich in Europa fest

Den Grund hat Raduan in der Hand. Es ist ein bulgarischer Pass. Damit wollte er von Daressalam in ein skandinavisches Land fliegen und dann weiter nach Deutschland. "Der Pass war völlig echt", erzählt Berger. "Nur dass sein echter Besitzer nicht mehr lebte. Und das Foto hatte mit Raduan wirklich sehr wenig Ähnlichkeit", fügte er grinsend hinzu. Als er Raduan das nächste Mal über Skype spricht, ist Berger zu Hause in einem friedlichen EU-Staat. Da sitzt der Syrer schon wieder in Bulgarien, in einer konspirativen Wohnung, die Verbündete des IS dort eingerichtet haben, und wartet auf seinen neuen Pass. Vielleicht ist er heute schon in Deutschland.

Und Berger merkt, dass der Krieg, mit dem er weit weg von zu Hause sein Geld verdient, ihm allmählich in die Heimat folgt. Darum erzählt er diese Geschichte. Weil da etwas begonnen hat, vor dem auch er Angst hat.




Foto: REUTERSBei den Anschlägen in Paris im Januar 2015 starben insgesamt 20 Menschen, darunter auch die drei Attentäter.


Vor fast genau einem Jahr, am 29. Juni 2014, rief IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi sein Kalifat aus. Er erklärte sich damit zum Nachfolger des Propheten Mohammed und begann ein neues, hochexplosives Terror-Projekt: Statt seinen selbst erklärten Feind auf dessen Territorium anzugreifen, hatte sich der IS sein eigenes Gebiet gesucht, um selbst eine Regierung zu errichten.

Arabische Kämpfer werden eingeschleust

Ein islamistisches Traumreich mit brutalen Bestrafungen und Sklavenmärkten, jenseits des tradierten Islams. Eine hochgerüstete Staatssimulation statt der spektakulären Attentate der terroristischen Altstars von al-Qaida. Doch nun scheint es, als bereite der IS zusätzlich eine neue Strategie vor: Zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass er systematisch arabische Kämpfer nach Europa schleust. Offenkundig gründen sie Netzwerke. Und es ist sicher, dass sie Krieg wollen. Der IS weitet den Krieg auf Europa aus.

Das mag im ersten Moment wenig logisch klingen. In Syrien und im Irak steht die Terrormiliz unter gewaltigem Druck und hat mindestens 25 Prozent ihres Territoriums verloren. Aber das Grundprinzip ihrer Kriegsführung lautet: Je mehr Feinde, desto besser. Das ist weniger eine kühle Kalkulation als eine Erlösungsideologie. Denn nach der Weltuntergangslehre des IS wird gerade der totale Krieg die Menschheit dem Jüngsten Tag und dem Paradies näherbringen. "Niederlagen gehören zum Krieg", sagt ein deutscher IS-Kämpfer. "Die Zeit wird es zeigen, und am Ende werden wir die großen Sieger sein."

Erst im April hatte der Berliner Ex-Rapper Deso Dogg, der nun für den IS kämpft, in einem Video mit Anschlägen von "Schläfern" gedroht. So nennt man Terroristen, die unter dem Deckmantel eines normalen Lebens über oder Jahre heimlich Anschläge vorbereiten und sie auf Befehl jederzeit ausführen können. "Solche Schläfer-Zellen des IS existieren schon in Europa", sagt Ioannis Michaletos vom griechischen Institut für Sicherheits- und Verteidigungsanalysen. "Anschläge sind nur eine Frage der Zeit." Waren Bluttaten wie der Anschlag auf das französische Satire-Magazin "Charly Hebdo" und einen koscheren Supermarkt in Paris im Januar oder der islamistische Terrorangriff vom Februar in Kopenhagen nur der Anfang? Der britische Premierminister David Cameron jedenfalls warnte erst Anfang der Woche, IS-Anhänger in Syrien und im Irak planten "furchtbare" Anschläge im Vereinigten Königreich.

Terroristen unter den syrischen Flüchtlingen

Der griechische Experte für Terror und organisierte Kriminalität ist eine gute Adresse für das Thema. Denn er lebt gewissermaßen selbst im Transitbereich des Terrors. Die griechischen Behörden enttarnten im Laufe des letzten Jahres mehrere islamistische Netzwerke. Eine Syrerin hatte 300.000 Euro dabei, wollte aber keine Angaben zu deren Herkunft machen. Mehrfach wurden Waffen und Munition konfisziert. Für die heimlichen Gesandten des IS ist Griechenland offenbar eines der wichtigsten Tore nach Europa. Hier haben sie auch die perfekte Tarnung: den unüberschaubaren Strom ihrer fliehenden Opfer. 200.000 syrische Flüchtlinge sind bislang nach Europa gelangt, und unter sie haben sich zahlreiche Mitglieder des IS gemischt, ist sich Michaletos sicher, dessen Heimat ein Hauptfluchtpunkt für die Menschen aus dem Bürgerkriegsland ist.




Foto: dpaFlüchtlinge in einem Schlauchboot vor der italienische Insel Lampedusa. Zwar wurde gewarnt, dass auch Terroristen über das Mittelmeer nach Europa gelangen könnten. Aber dafür gibt es bisher keine stichhaltigen Beweise. IS-Anhänger scheinen andere Wege zu nutzen, um Westeuropa zu erreichen


Wenn man seine Erkenntnisse mit Recherchen in Syrien, der Türkei und Hinweisen aus EU-Staaten verbindet, werden drei Hauptrouten deutlich, auf denen IS-Leute nach Europa kommen: Die erste führt von Syrien aus über den Bosporus nach Griechenland. Das ist der gleiche Weg, den Tausende von syrischen Flüchtlingen einschlagen. Die zweite Route verläuft über die chaotischen Ministaaten Ex-Jugoslawiens.


Die dritte und möglicherweise brisanteste ist die bulgarische. Ein vierter, häufig genannter Reiseweg scheint dagegen kaum benutzt zu werden: Zwar haben Sicherheitsbehörden davor gewarnt, dass sich IS-Leute auch unter die Zehntausende Menschen mischen könnten, die von Libyen übers Mittelmeer nach Italien übersetzen. Bisher gibt es dafür aber noch keine stichhaltigen Beweise. Doch entlang der anderen Fluchtwege begegnen Syrer offenbar immer wieder gerade den Leuten, vor denen sie fliehen wollten. Selbst dort, wo sie sich endlich in Sicherheit glaubten.

"Die Leute des IS sind längst überall"

"Die Leute des IS sind längst überall." Davon ist Kamal überzeugt, der aus der Nähe von Aleppo stammt und seit einem Jahr in Deutschland lebt. Gerade hat der 28-Jährige politisches Asyl in der Bundesrepublik erhalten. Über das Internet hält er Kontakt mit Freunden und Verwandten aus Syrien, die der Krieg über ganz Europa verstreut hat. Da ist sein alter Schulfreund, der jetzt in einem Flüchtlingsheim im norwegischen Rognan lebt. Natürlich gibt es auch bei ihm IS-Anhänger. Aber nicht irgendwelche. Einer sei im Lager der Imam, der Vorbeter, und halte auch die Freitagspredigt. Der Mann stamme aus der Nähe von Rakka, der Hauptstadt des IS-Kalifats.

Mal gebe er sich als früherer Ingenieur der staatlichen Ölgesellschaft aus, mal als Lehrer oder Kaufmann. Und den IS bezeichnet er als das Beste, was Syrien passieren könne, als "heiliges Licht". "Er verteidigt IS auf der ganzen Linie", erzählt Kamal. "Egal, ob sie Hunderte von Menschen versklaven, foltern, exekutieren."

Kamal kennt solche Typen. Als er nach seiner Ankunft in Deutschland im Aufnahmelager Eisenberg in Thüringen unterkam, war da eine Gruppe von fünf Syrern. Zwei Monate lang lebte er im Nachbarcontainer der jungen Männer. Weil er die Hitze und den Gestank in dem Metallkasten nicht mehr aushalten konnte, schlief er im Sommer Nachts oft draußen. So wie die fünf von nebenan. "Da kommt man sich automatisch näher."

Wegen ihrer ungewöhnlichen Art des Gebets habe er Verdacht geschöpft. Wie beim IS üblich, hätten sie mit erhobenem Zeigefinger gebetet, dem Symbol für den einen Gott und seinen Staat. Die vor der Brust verschränkten Arme sieht man häufig bei Salafisten, ebenso die Sitte, beim sitzenden Gebet nur ein Bein unterzuschlagen.

Betrunkene IS-Kämpfer verplappern sich
Aber die Nachbarn tun alles, um ihre Identität geheimzuhalten. Doch eines Tages trinken sie ein Bier mit Kamal – für Muslime ist Alkohol verboten, und Islamisten trinken darum höchst selten. "Sie waren augenblicklich besoffen. Da sprudelte es aus ihnen heraus", erzählt Kamal amüsiert. Man habe ihnen befohlen, nach Deutschland zu kommen und hier politisches Asyl zu beantragen, erklären sie ihm. Hier müssten sie nun auf weitere Befehle aus Syrien warten.

Bis vor einigen Wochen war Kamal mit den fünf über Facebook in Kontakt. Als er jedoch einen kritischen Artikel über den IS postete, hätten sie ihn sofort von ihrer Freundschaftsliste gestrichen. "Mittlerweile sind alle ihre Konten gelöscht", sagt Kamal. "Ich kann digital keine Spur mehr von ihnen finden, nicht von einem Einzigen."

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