Krone-Redakteur lobt "Sachkenntnis" des Regierungschefs
Inzwischen weiß wirklich jeder (Krone-Leser) seit langem, welche Gefahren insbesondere von den CETA-Sonderklagsrechten ausgehen. Das hindert Redakteur Mark Perry aber nicht daran, unseren Regierungschef in der Ausgabe v. 27. September unter dem Titel "Schiedsgerichte müssen weg!" für seine (sehr verspätet) richtige Einschätzung der Situation zu loben: "Genau diese Gefahren hat Kanzler Kern erkannt. Wie berichtet, weigert sich der SP-Chef (gestärkt durch Parteibasis und eine Mehrheit der Österreicher) den Freihandelspakt, wie er jetzt auf dem Tisch liegt, zuzustimmen..."
Liest Perry keine Leserbriefe, ist ihm nicht aufgefallen, dass viele Leserbrief-Schreiber schon lange vor Kern erkannt haben, welche verheerenden Konsequenzen TTIP/CETA für uns alle haben kann? Auch zahlreiche Umfragen haben die Ablehnung der Österreicher längst nachgewiesen. Und von wegen "gestärkt durch die Parteibasis": Diese Alibi-Umfrage, an der nur ein verschwindend kleiner Teil der Mitglieder teilgenommen hat, diente nur dazu, innerhalb der SPÖ demokratischen Strukturen vorzutäuschen. TTIP/CETA hatte also - auch dank der massiven Krone-Berichterstattung - hierzulande keine reelle Chance auf Zustimmung.
Eine zu große Versuchung für den Populisten Kern, diesem Meinungsbild flugs zu folgen, mit dem Fuß aufzustampfen und mutig medial wirksam zu verkündigen: TTIP ist tot, CETA muss ebenfalls sterben! Schiedsgerichte nur über meine Leiche! - Übrigens: Polit- und Kommunikations-Genie Kern ist seit Tagen dabei, sich in den USA mit möglichst vielen hohen Regierungsrepräsentanten bis hinauf zu Obama ablichten zu lassen. Bildmaterial, das sich nicht nur aktuell medial verwerten lässt, sondern auch bei vorgezogenen Nationalratswahlen Image-wirksam signalisieren kann: Seht her, ich bin mit den Großen dieser Welt auf Du und Du.
"Es ist immer gut, mit der größten Zeitung des Landes einer Meinung zu sein." Dieser Satz eines (inkorrenkten) Hausmeisters könnte auch von Kern sein...
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