Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab. Am Anfang wird zum daran gewöhnen gemunkelt, es könnte kritisch werden, dann folgt eine kommunikative Ruhepause, dann wieder besorgte Äußerungen und gleichzeitig Dementis, bis sich die Menschen daran gewöhnen, dann - nach Monaten - kommt der Crash. Die reale Lage wird aber um nichts besser, wenn man jetzt dazu übergeht, die Rating-Agenturen zu attackieren.
((heute.at))
EU: Sorge um Italien und Angriff auf Ratingagenturen
Die Spitzen der Europäischen Union blicken keiner allzu ruhigen Sommerpause entgegen: Gestern wurde bekannt, dass auch Italien finanziell unter Druck geraten könnte. EU-Kommissarin Viviane Reding holt indes zum verbalen Rundumschlag gegen Ratingagenturen aus.
Von einem Krisentreffen wollte niemand sprechen, als die Spitzen der Europäischen Union heute in Brüssel zusammentrafen. EU-Ratspräsident Herman van Rompuy, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Juncker (Chef der Euro-Gruppe) und Olli Rehn (EU-Währungskommissar) - sie alle kamen zusammen, um offiziell NICHT über Italiens Krise zu reden.
Angst um den Stiefelstaat
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der EU. Und trotzdem unter Druck. Die instabile politische Lage in Rom lässt die EU-Granden befürchten, dass das bereits im Parlament beschlossene, 40 Milliarden Euro schwere Sparpaket noch entschärft werden könnte. Premier Silvio Berlusconi hat seinen Finanzminister Giulio Tremonti scharf angegriffen. Dieser wollte das Budget bis 2014 sanieren, andernfalls drohe eine "Katastrophe". Berlusconi schielt auf Wählerstimmen, er will Änderungen im Sparpaket.
Im Visier von Hedgefonds
Zudem sollen internationale Hedgefonds es auf den Stiefelstaat abgesehen haben.
Und: Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen stiegen gestern stark an; gleichzeitig sackten die Aktienkurse der großen Banken wie der UniCredit ab.
Die Zeitung Welt will erfahren haben, dass die Europäische Zentralbank plant, den Rettungsschirm für Wackelstaaten aufzustocken - in Hinblick auf mögliche Probleme Italiens.
Reding gegen Ratingagenturen
EU-Wettbewerbskommissarin Viviane Reding hat indes die US-Ratingagenturen "Standard & Poor's", "Moody's" und "Fitch" angegriffen. "Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen", sagte sie der Welt.
Reding fordert von den USA radikale Schritte gegen die Bewerter: "Ich sehe zwei mögliche Lösungen: Entweder beschließen die G-20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Ratingagenturen zu zerschlagen. Die USA könnten beispielsweise aufgefordert werden, aus den drei Agenturen sechs zu machen. Oder es werden unabhängige europäische und asiatische Ratingagenturen geschaffen."
Montag, 11. Juli 2011
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